Michael
Schumacher geht in Rente
Rekord-Champion, Super-Star, Werbe-Ikone, Multi-Millionär, Idol
für Millionen: Michael Schumacher ist nicht nur einer der erfolgreichsten
deutsche Sportprofis. Auch weltweit stehen nur wenige auf einer Stufe
mit dem Rennfahrer.
Am gestrigen 22. Oktober beendet der siebenmalige Formel-1-Weltmeister
seine Karriere. Beim Großen Preis von Brasilien drehte der 37-Jährige
seine letzte Runde.
"Ich habe nicht mehr die Energie und Kraft gesehen, um in
Zukunft vorne mitzufahren", hatte er am 10. September in Monza
zu seinem denkwürdigen Rücktritt gesagt. "Ich habe
mich selbst in Frage gestellt. Deswegen habe ich diese Entscheidung
getroffen."
Nach dem Saisonfinale in Sao Paulo, seinem 250. Grand Prix, zieht
Schumacher den Schlussstrich unter über 30 Jahre Motorsport.
"Es war eine ganz, ganz außergewöhnliche Zeit für
mich", räumte der künftige Renn-Rentner ein. "Ich
habe jeden Moment geliebt. Es freut mich, dass ich so viel habe
bewegen können im Motorsport."
Sieben WM-Titel, 91 Grand-Prix-Siege, 68 Pole Positionen, 73 schnellste
Rennrunden, 13 Saisonsiege und so weiter - die Rekordliste des Rekord-sammlers
der Königsklasse ist lang. Kein Rennfahrer in der 57-jährigen
Grand-Prix-Geschichte kommt an Schumacher heran. Formel-1-Chef Bernie
Ecclestone adelte ihn als "Super-Super-Superstar".
Dabei konnten selbst Experten nicht mit dieser kometenhaften Karriere
rechnen. Als vierjähriger Knirps machte Schumacher auf der
Kartbahn in Kerpen, die sein Vater Rolf und seine am Osterwochenende
2003 gestorbene Mutter Elisabeth betrieben, seine ersten Versuche
auf vier Rädern.
Mit 14 bestritt das am 3. Januar 1969 in Hürth- Hermühlheim
geborene Talent sein erstes Rennen und holte ein Jahr später
seinen ersten Titel als deutscher Junioren-Kartmeister. Dank finanzieller
Unterstützung verschiedener Gönner schaffte Schumacher
den Sprung in diverse Formel-Nachwuchsklassen. Auf Anhieb überzeugte
der gelernte Kfz-Mechaniker durch Siege und Titel.
Entscheidend für seinen Werdegang war die Begegnung mit Willi
Weber in der Formel 3. Der erkannte 1989 das außergewöhnliche
Talent und nahm den damals 20-Jährigen als Manager gleich für
zehn Jahre unter Vertrag. "Ich fahre, den Rest macht Willi",
beschrieb Schumacher das enge Verhältnis zu dem Geschäftsmann
und späteren Freund, den er auch nach einigen Affären
nicht fallen ließ.
Weber verhandelte geschickt die hohen Gagen aus. Auf 35 Millionen
Euro jährlich wurde zuletzt das Ferrari-Salär des Ausnahmefahrers
geschätzt. Dazu kommt etwa die selbe Summe durch Werbung. Schumachers
Vermögen wird mittlerweile auf rund 250 Millionen Euro eingestuft.
Den Sprung in die Formel 1 verdankte Schumacher neben seinem Talent
vor allem Mercedes. Dank einer Bürgschaft des Stuttgarter Konzerns
bekam der damalige Mercedes-Junior im August 1991 ein Cockpit bei
Jordan-Ford.
Mit Platz sieben im Qualifying sorgte der Formel-1-Frischling in
Spa-Francorchamps gleich für Furore, auch wenn er im Rennen
nach wenigen hundert Metern wegen eines Kupplungsdefektes ausrollte.
Deutschland verfügte nach jahrelanger Flaute endlich wieder
über einen viel versprechenden Grand-Prix-Piloten. In Spa,
das Schumacher liebevoll als sein "Wohnzimmer" bezeichnet,
folgte nach dem Blitztransfer zu Benetton gleich nach seinem ersten
WM-Lauf auch der erste Sieg am 30. August 1992.
Der erste WM-Titel eines Deutschen 1994 war überschattet von
Disqualifikationen und Rennsperren. Der Begriff "Schummel-Schumi"
trübte den Glanz. Drei Jahre später zog er sich wegen
seines Rammstoßes gegen Jacques Villeneuve beim WM-Finale
in Jerez den zweifelhaften Ruf eines "Renn-Rambos" zu.
Nach dem zweiten WM-Gewinn 1995 folgte der Wechsel zu Ferrari.
Mit der Mythos-Marke aus Maranello wurde Schumacher nach mühseliger
Aufbauarbeit zum "Jahrhundert-Piloten". Auch ein Schien-
und Wadenbeinbruch bei seinem einzigen schweren Rennunfall beim
britischen Grand Prix am 11. Juli 1999 wegen eines Bremsdefektes
konnte den Weg an die Spitze nicht stoppen.
Sein Titel mit der Scuderia im Jahr 2000 erlöste die Ferraristi,
die 21 Jahre lang auf diesen Triumph warten mussten. Mit fünf
Fahrertiteln in Folge sorgte Schumacher für eine weitere, kaum
überbietbare Bestmarke.
Siegeswille, Perfektion, Dominanz, aber auch Rücksichtslosigkeit
auf der Piste haben Schumacher den Ruf des Renn-Roboters und "Klons
im Cockpit" eingebracht. Das Klischee des emotionslosen Retorten-Rennfahrer
trifft Schumacher.
Der Sport verliert einen großen Fahrer und ein Idol für
Millionen.
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