Di, 24.04.2018

Anti-Graffiti-Offensive in der Wiehre

Maler überstreichen in der Wiehre ehrenamtlich Graffiti

Ende vergangenen Jahres hat die Stadt Freiburg eine Anti-Graffiti-Offensive gestartet. Am Samstag fand dazu ein Aktionstag im Stadtteil Wiehre statt. Besonders die stark von Graffiti betroffene Hildastraße stand dabei im Fokus.

Schon nach wenigen Minuten sind die ersten aufgesprühten Schriftzüge verschwunden. Überall in der Hildastraße, aber auch in der Schwarzwaldstraße und in der Kartäuserstraße stehen am Samstag Handwerkerautos. Ruckzuck kleben die Maler die betroffenen Stellen ab und überstreichen die illegalen Graffiti – insgesamt sind am Ende 26 Häuser hergerichtet. Auch zwei Haltestellen der Freiburger Verkehrs AG werden von Schmierereien befreit.

„Wir lassen nicht nach“, hatte Sozialbürgermeister Ulrich von Kirchbach am Morgen bei der Eröffnung des Aktionstags gesagt. Das „Solidarmodell Anti-Graffiti“ gibt es seit elf Jahren. Stadtverwaltung, Polizei, Malerbetriebe und weitere Akteure haben die Idee ins Leben gerufen, getragen wird sie vom Verein „Sicheres Freiburg“. Mindestens einmal im Jahr gibt es einen Aktionstag, diesmal in der Wiehre. Beteiligt sind auch die beiden Wiehremer Bürgervereine. Die Achse zwischen Stadtmitte und Wiehrebahnhof sei sehr stark von illegalen Graffiti betroffen, sagt Klaus Füsslin vom Vorstandsteam des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre – weshalb der Schwerpunkt des Tages auf der Hildastraße liege. Die beiden Vereine haben im Vorfeld die Hauseigentümer angeschrieben und auf die Anti-Graffiti-Aktion aufmerksam gemacht – gar kein so leichtes Unterfangen, wie Hans Lehmann, der Vorsitzende des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee, berichtet. Denn nicht alle Hauseigentümer wohnen vor Ort. Andere hätten bereits aufgegeben, sagt Kai Lebrecht vom Verein „Sicheres Freiburg“: Sie haben selbst bereits einige Male Schmierereien überstreichen lassen und immer wieder die Erfahrung gemacht, dass schon nach kurzer Zeit neue Graffiti die Hausfassade zieren.

Resignation ist jedoch die falsche Haltung„, meint Ulrich von Kirchbach.

Trotz manchen Rückschlags lohne es sich, dranzubleiben. Im vergangenen Jahr waren schon einen Tag nach dem Aktionstag im Innenstadtquartier „Im Grün“ die frischen Fassaden wieder besprüht. Die Maler rückten daraufhin erneut aus. Auch in der Wiehre bekommen die Hauseigentümer, die am Aktionstag teilgenommen haben, die Garantie, dass ihre Häuser noch zweimal kostenlos überstrichen werden. Fünf Malerbetriebe sind bei der Aktion dabei: Ullrich, Kiefer und Häringer aus Freiburg, Schwenninger aus Umkirch und Disch aus Ehrenkirchen. Die Firma Farbtex hat die Farben kostengünstig zur Verfügung gestellt. Unterstützt werden die Firmen von rund 30 ihrer Angestellten. Dieses ehrenamtliche Engagement sei umso bemerkenswerter, da die Unternehmen derzeit volle Auftragsbücher haben, lobt Jürgen Sütterlin, Obermeister der Malerinnung. Zur Ursprungsidee gehört außerdem, dass sich Jugendliche beteiligen, die vom Gericht zu Arbeitsstunden verpflichtet wurden.

Da diese ehrenamtlichen Aktionen im Kampf gegen illegale Graffiti jedoch nicht ausreichen, hat die Stadtverwaltung Ende vergangenen Jahres eine größere Offensive gestartet. Für städtische Gebäude und Brücken wurde das Anti-Graffiti-Budget von 130 000 auf 250 000 Euro fast verdoppelt. Zudem sollen mit dem neuen Programm Privatleute motiviert werden, ihre Häuser streichen zu lassen. Müssen innerhalb von sechs Monaten erneut Graffiti entfernt werden, trägt das Rathaus die Kosten. Dafür stehen jährlich 100 000 Euro zur Verfügung.

Autor: Felix Andris
Quelle: BZ vom 24.04.18
Text: Jelka Louisa Beule
Foto: Michael Bamberger