Do, 18.01.2018

Neujahrempfang Mittel- und Unterwiehre mit kritischen Tönen

Der Stadtteil Wiehre verändert sich – und zwar nach Meinung des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre nicht unbedingt zum Positiven. „Wir blicken zum Teil mit großer Sorge auf die Entwicklung“, sagte Justus Kampp vom Vorstandsteam des Vereins beim Neujahrsempfang.

Daran habe auch die Stadtverwaltung ihren Anteil: Das Rathaus agiere „zahn- und wertlos“ und sei „investorenfreundlich“, kritisierte Kampp. Er forderte eine Gestaltungs- und Erhaltungssatzung für den Stadtteil, um die historische Bausubstanz besser zu schützen. Dabei gehe es dem Verein nicht darum, die Wiehre zu konservieren und Bauvorhaben generell zu verhindern, betonte Kampp in seiner Ansprache. Zuvor hatten auch seine Vorstandskollegen Monika Lang-Dahlke, Loretta Lorenz und Klaus Füsslin die Bürger im Festsaal der Wiehremer Waldorfschule begrüßt. Die vier bilden seit November ein gleichberechtigtes Vorstandsteam.

Als Beispiel für die negative Entwicklung nannte Kampp das Bauvorhaben in der Erwinstraße 15. Seiner Meinung nach hätte es die Stadtverwaltung bei diesem umstrittenen Projekt auf einen Prozess ankommen lassen müssen. Stattdessen sei nun „ein Exempel für andere Investoren“ statuiert worden. Auch das Gebäude in der Lorettostraße 14 habe das Rathaus „leichtsinnig zum Abriss freigegeben“. Auf dem Lorettoberg laufe durch die massiven Bautätigkeiten ebenfalls einiges schief, so Kampp. Und auch die ehemalige Reinhold-Schneider-Villa am Fuße des Berges stehe weiterhin leer – Kampp mutmaßte, dass das Bauunternehmen Treubau das denkmalgeschützte Gebäude bewusst verwahrlosen lässt, um es dann später doch abreißen zu dürfen.

Kampp wiederholte zudem seine Kritik an den Plänen der Stiftung von Treubau-Geschäftsführer Volker Homann, die der Stadtverwaltung einen integrativen Kindergarten im Ex-Bahnwärterhäuschen an der Lorettostraße schenken will. Kampp forderte Oberbürgermeister (OB) Dieter Salomon auf, sich nicht „in diese Gemeinwohlfalle“ zu begeben. Salomon widersprach: So ein Angebot nicht anzunehmen, „nur weil die Treubau auch Investor ist“, sei keine Option, meinte er in seiner Rede – und appellierte an Kampp, „keine Verschwörungstheorien“ aufzubauen. Bei den umstrittenen Bauprojekten verwies der OB auf das geltende Baurecht.

Weiteres großes Thema in der Wiehre ist der Verkehr. Kampp forderte schon jetzt eine umfassende Planung für die Zeit nach dem Bau des Stadttunnels. Salomon hielt diese auch für notwendig, betonte allerdings, dass dafür noch genügend Zeit bleibe. Recht gab Salomon dem Bürgerverein, dass im Stadtteil Räumlichkeiten für bürgerschaftliches Engagement benötigt werden. Beim vom Bürgerverein dafür unter anderem vorgeschlagenen ehemalige Feuerwehrgerätehaus in der Kirchstraße läuft die Entwicklung jedoch derzeit in eine andere Richtung: Das Grundstück im Hinterhof soll mit einem Wohnhaus bebaut werden.

Was den Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre bewegt, hörte sich beim Neujahrsempfang nicht nur Oberbürgermeister Salomon an, sondern auch gleich drei seiner vier Herausforderer für die Wahl im April: Monika Stein, Martin Horn und Manfred Kröber waren beim Empfang, der musikalisch von Simona Mangiapane und Joscha Trischler umrahmt wurde, ebenfalls anwesend. Während der Reden knallten im Hintergrund schon die Sektkorken – so dass nach dem offiziellen Teil alle gemeinsam auf das neue Jahr anstoßen konnten.

Autor: Felix Andris
Quelle: BZ vom 17.01.18
Text: Jelka Louisa Beule
Foto: n/a