Do, 21.12.2017

Post gesucht in der Wiehre – Traurige Geschichte

Es war ein Experiment von kurzer Dauer: Erst Anfang des Jahres war in der Freiburger Bier-Quelle der Brauerei Ganter in der Fabrikstraße 9 eine Post-Partnerfiliale eröffnet worden, Mitte Januar 2018 schließt sie schon wieder.

Damit zeichnet sich nach zehn Jahren mit häufigen Wechseln das endgültige Aus einer eigenen Postfiliale im Bereich Oberau/Oberwiehre ab. Bürger der Stadtteile müssen auf andere Angebote ausweichen.

„Ursprünglich wollten wir mit dem Postservice die Kundenzahl in der Bier-Quelle erhöhen“, berichtet Ganter-Geschäftsführer Detlef Frankenberger, „wir hofften, dass die Kunden beim Erledigen ihrer Postgeschäfte noch den ein oder anderen Kasten Bier mitnehmen würden.“ Doch es sei eher umgekehrt gelaufen, die Kunden seien vermehrt nur noch wegen des Postservices in die „Bier-Quelle“ am östlichen Rand des Ganter-Areals gekommen: „Manchmal behinderte die Schlange am Postschalter den Verkauf der Ganter-Produkte“, sagt Frankenberger.

Die bevorstehende Schließung ist das vorläufig letzte Kapitel eines langen Hin und Hers um die Post im Quartier. 2007 schlossen Postbank und Deutsche Post-AG ihre bis dahin selbst betriebene Filiale in der Fabrikstraße 2 (heute ist dort ein Naturkostladen ansässig) und übergaben die Post in die Hände privater Unternehmer seitdem übrigens immer ohne Postbank-Angebot. Zunächst befand sich die Poststelle in einem Schreibwarengeschäft im „Zentrum Oberwiehre“ (ZO). 2012 gab Betreiber Manfred Hettich die Zusammenarbeit mit der Post auf. Daraufhin folgte der Umzug an die Ecke Schwarzwaldstraße/Fabrikstraße in ein Geschäft, in dem erst Nikolai Fromke und dann bis Januar 2017 Wahidullah Rahnuma die Postfiliale betrieben. Hier ist inzwischen der E-Bike-Shop Freiburg eingezogen. Damals schloss die „Bier-Quelle“ die Filial-Lücke allerdings nur für ein Jahr. Erneuter Ersatz ist nicht in Sicht. „Wir haben uns um einen Nachfolger bemüht, aber leider keinen gefunden“, sagt Post-Pressesprecher Hugo Gimber.

Zumindest ein begrenztes Post-Angebot besteht seit rund einem Jahr wieder im ZO: im Lotto-Toto-Geschäft des 32-jährigen Ali Alawieh können Pakete aufgegeben und Briefmarken gekauft werden. Alawiehs Angebot firmiert als DHL-Paketshop. Im Gegensatz zu einer Postfiliale fehlen jedoch einige Post-Dienstleistungen wie zum Beispiel Portoermittlung.

„Ich wollte einfach eine zusätzliche Serviceleistung für meine Kunden anbieten“, so Alawieh, „hätte ich mehr Platz, würde ich mehr machen. Momentan habe ich aber nur begrenzte Lagerkapazitäten in meinem Geschäft. Das Angebot kommt gut an, es ist gewünscht und gefragt.“ Wegen des Platzmangels besteht im Paketshop auch nicht die Möglichkeit, Pakete hier abzuholen. Gerade jetzt im Weihnachtsgeschäft sei es schon schwierig, die zum Versand aufgegebenen Pakete zu lagern. „Ich überlege, weitere Räume dafür anzumieten, doch das lohnt sich für mich eigentlich nicht“, erklärt Alawieh. Er sei im Gespräch mit der Zentrumsleitung, um eine Lösung zu finden.

Hans Lehmann, der Vorsitzende des Bürgervereins Oberwiehre-Waldsee, schließt sich Alawiehs Wunsch nach mehr Lagerkapazitäten im ZO an. Der Bürgerverein habe bei der ZO-Geschäftsführung angeregt, eine vollwertige Poststelle ins Zentrum zu holen: „Wir wollen nicht, dass unsere Bürger große Entfernungen bis zur nächsten Post zu Fuß gehen müssen, womöglich mit schweren Paketen.“ Denn die nächstgelegenen Filialen mit postalischem Rundum-Angebot sind nun die im Erdgeschoss des ehemaligen Bürgeramtes, Basler Straße 2 (Mittelwiehre; Fußwegentfernung von der Fabrikstraße 9: 1,2 Kilometer) sowie im Reformhaus Büstrich, Lindenmattenstraße32 (Littenweiler; 2,7 Kilometer).

Kommentar Felix Andris:
Vielleicht erkennt man bei der Geschäftsführung im ZO (Zentrum Oberwiehre) endlich, dass es keinen besseren Platz für eine Postfiliale gibt, als im ZO!
Man müsste doch endlich einsehen, dass dies ein zusätzlicher Publikumsmagnet sein wird, die Attraktivität des Zentrums steigert und willigen Geschäftsleuten wie Herrn Ali Alawieh dahingehend entgegenkommen, mit einer verträglichen Miete das Vorhaben unbedingt zu unterstützen und auf lange Sicht zu erhalten.

Autor: Felix Andris
Quelle: BZ vom 15.12.17
Text: Resort Süd
Foto: Thomas Kunz