Mo, 05.02.2018

Wird das Lycée Turenne aus dem Dornröschenschlaf geweckt?

Beim Ortstermin im ungenutzten Teil des Ex-Schulgebäudes zeichnet sich eine klare Mehrheit im Gemeinderat dafür ab, das Lycée Turenne zu sanieren.

Geschätzt 17 Millionen Euro würde es kosten, den Westflügel und die historische Turnhalle des Lycée Turenne zu sanieren – so viel Geld wollten Stadtverwaltung und Gemeinderat bislang nicht investieren. Deshalb liegt das markante Gebäude im Stadtteil Wiehre seit 25 Jahren im Dornröschenschlaf. Ein „Runder Tisch“ will das ändern und lud deshalb die Stadträte zum Ortstermin. Und tatsächlich könnte Bewegung in die Sache kommen: Alle großen Fraktionen wollen ein Nutzungskonzept und eine Machbarkeitsstudie.

Der Westteil des Lycée Turenne liegt brach, seitdem die Franzosen in den 1990er Jahren aus Freiburg abgezogen sind – das Geld reichte nicht für die Sanierung des gesamten Komplexes. Dass dieses einmalige Ensemble „allmählich dahinsiecht, treibt einem die Zornesröte ins Gesicht“, sagte Hans Lehmann vom Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee beim Ortstermin mit den Fraktionen. Zu diesem hatte der Bürgerverein mit der Arbeitsgemeinschaft Freiburger Stadtbild und den benachbarten vier Schulen eingeladen. Sie haben sich zu einem „Runden Tisch“ zusammengeschlossen, der eine Lösung für das Lycée Turenne suchen will. Ihr Vorschlag: Den ehemaligen Speisesaal im Lycée Turenne sollen die Schulen gemeinsam nutzen und die unteren Etagen die Emil-Thoma-Grundschule und die Richard-Mittermaier-Schule, die stark wachsen. In die oberen Stockwerke könnte die Musikschule ziehen, die derzeit beengt in der Turnseeschule untergebracht ist.

Rund ein Dutzend Stadträte von allen großen Fraktionen sind beim Rundgang dabei – nur Vertreter von FDP und JPG fehlen. Am Ende stehen alle gemeinsam in der historischen Turnhalle des Lycée Turenne und beraten, wie es weitergehen könnte. Im Grunde müsse es einen Drei-Stufen-Plan geben, sind sich CDU, SPD, Grüne, Unabhängige Listen, Freiburg Lebenswert/Für Freiburg und Freie Wähler einig, die gemeinsam über 42 von 48 Sitzen im Gemeinderat verfügen: Zunächst muss die Stadtverwaltung ein Nutzungskonzept für den brachliegenden Teil des Lycée Turenne erstellen. Dann soll es eine Machbarkeitsstudie geben und darauf aufbauend eine exakte Bestimmung der Sanierungskosten.

Denn, so hatten die Leiterin des Amts für Gebäudemanagement (GMF) Andrea Katzer-Hug und ihre Mitarbeiter, die beim Ortstermin dabei sind, zuvor erklärt: Die zukünftige Nutzung des Gebäudes spiele eine entscheidende Rolle, wie teuer die Sanierung letztendlich werde. Und diese Informationen seien auch bereits für die Inhalte der Machbarkeitsstudie wichtig. Je nachdem, was eine solche Untersuchung genau umfasse, koste die Studie zwischen 250 000 und 400 000 Euro, schätzte Andrea Katzer-Hug. Die Bearbeitung nähme ein halbes bis dreiviertel Jahr in Anspruch. Über das weitere Vorgehen wollen sich die Fraktionen nun abstimmen, im Gespräch ist ein interfraktioneller Antrag.

Treppauf, treppab hatte das GMF-Team und der „Runde Tisch“ die Stadträte zuvor durch den verwaisten Teil des Lycée Turenne geführt. „Das ist schon ein Wahnsinnsraum“, entfährt es CDU-Stadtrat Wendelin Graf von Kageneck, als die Gruppe den ehemaligen Speisesaal betritt. Brigitte von Savigny (Unabhängige Listen) öffnet einen alten Schrank, der an der Wand steht. Helmut Thoma (Grüne) und Klaus Schüle (CDU) machen eifrig Fotos.

Die Stadträte begutachten alte Leitungen, verstaubte Fenster und viele, viele Schäden an Decken, Wänden und Böden. „Man müsste viel machen“, sagt Andrea Katzer-Hug. „Und in einem Denkmal lauern immer Überraschungen“, warnt sie. Die GMF-Chefin berichtet von statischen Mängeln und von belastenden Schadstoffen. Alles technisch machbar, sagt sie – aber aufwändig in der Umsetzung.

Auch die Stadtverwaltung sehe den Bedarf zu sanieren, sagt Katzer-Hug, „aber Geld und Kapazitäten sind endlich“. Die Stadtverwaltung müsse weitere millionenschwere Projekte im Schulbereich stemmen. Da sei es schwierig, daneben noch „einen solch großen Kasten“ instandzusetzen.

Autor: Felix Andris
Quelle: BZ vom 03.02.18
Text: Anja Bochtler
Foto: Thomas Kunz