Do, 14.12.2017

Stadtteilleitlinien Wiehre bereits überholt

Sechs Jahre sind vergangen, bis der Gemeinderat die Ideen aus dem 2011 begonnen Prozess der „Stadtteilleitlinien Wiehre“ verabschiedet hat. Zum Teil wurden inzwischen aber schon andere Fakten geschaffen. Aus der Ideensammlung für die Wiehre sind manche Vorschläge schon überholt.

Text zum Bild:
Viele Bürger wünschten sich im ehemaligen Bürgeramt an der Basler Straße einen öffentlichen Treffpunkt. Doch der Zuschlag ging ans Studentenwerk.

Es sollten Visionen für die nächsten 10 bis 15 Jahre werden: Mit diesem Ziel waren die Bürger 2011 in die Entwicklung der „Stadtteilleitlinien“ für die Stadtteile Wiehre und Oberau gestartet. Tatsächlich hat es schon rund die Hälfte dieser Zeit gedauert, bis der Prozess überhaupt abgeschlossen wurde. Erst jetzt, sechs Jahre nach dem Auftakt, hat der Gemeinderat die Ideen abgesegnet. Etliche Vorschläge von damals sind längst überholt. Dass es so lange gedauert hat, liegt an personellen Wechseln im Rathaus und bei den Bürgervereinen.

Die Stadtteilleitlinien (Stell) für Wiehre und Oberau waren eine von insgesamt fünf Quartiersvisionen, die in den vergangenen Jahren erarbeitet wurden. Auch bei den übrigen lief nicht alles rund. Ähnlich hatte es auch bereits beim Vorgängermodell – den Stadtteilentwicklungsplänen (Step) – ausgesehen (siehe Info-Box).

In Wiehre und Oberau war die Entwicklung zunächst positiv: Im November 2011 kamen 200 Bewohner zur Auftaktveranstaltung, bereits gut ein Jahr später lagen die Ergebnisse auf dem Tisch. Doch dann wurde es still um die Stell, die weitere Bearbeitung durch Stadtverwaltung und Bürgervereine geriet ins Stocken. Dass es vom Auftakt bis zum Abschluss sechs Jahre gedauert hat, sei „extrem ärgerlich“, sagt Justus Kampp vom Vorstandsteam des Bürgervereins Mittel- und Unterwiehre. Viele engagierte Bewohner habe der „zähflüssige Prozess ermattet“, der Frust sei groß.

Dass sich alles so lange hingezogen hat, daran seien aber auch die Bürgervereine nicht ganz unschuldig, geben sowohl Justus Kampp als auch Hans Lehmann vom Nachbarverein Oberwiehre-Waldsee zu. Die beiden Vereine hatten den Prozess gemeinsam geleitet. Doch es gab Wechsel im Vorstand, sowohl Kampp als auch Lehmann waren 2011 noch gar nicht im Amt. Die neuen Vorsitzenden mussten sich erst einarbeiten. Ähnlich habe es auch bei der Stadtverwaltung ausgesehen, begründet Rathaussprecherin Edith Lamersdorf die Verzögerungen: Bei den Stell-Verantwortlichen habe es mehrfach personelle Wechsel gegeben.

Einige konkrete Überlegungen aus dem Wiehre-Stell sind deshalb inzwischen überholt. Beispiel: das ehemalige Bürgeramt an der Basler Straße. Dort wollten die Bürger einen öffentlichen Treffpunkt einrichten – mittlerweile ist das Gebäude ans Studierendenwerk verkauft. Von einem „neuen Schwung für die Stadtteilentwicklung“ könne bei den Stell inzwischen deshalb kaum noch gesprochen werden, meint Justus Kampp. Dennoch: „Es war nicht alles für die Katz“, sagt er. Viele Aspekte seien in den kürzlich für ganz Freiburg erarbeiteten Perspektivplan eingeflossen. Jenseits der konkreten Projekte hätten die erarbeiteten Grundlagen weiterhin Bestand, sagt Hans Lehmann.

Wegen des langen Vorlaufs haben die beiden Bürgervereine zuletzt auch noch einmal ihre Ideen für erste Projekte überarbeitet, die aus den Stadtteilleitlinien entstehen sollen. Für diesen „Umsetzungsfonds“ steuert das Rathaus 5 Euro pro Einwohner bei, für Wiehre und Oberau sind dies 155 000 Euro. Bereits umgesetzt haben beide Bürgervereine gemeinsam einen studentischen Ideenwettbewerb für einen „Dreisamboulevard“ (die BZ berichtete). Weiterhin ist für Ende Februar eine Diskussionsveranstaltung mit externen Referenten zum Thema „Das Gesicht der Wiehre wahren“ geplant. Um eine umweltfreundlichere Energieversorgung soll es bei einem „Tag der Energie“ gehen. Der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee will seinen Teil des Geldes in Informationstafeln an historischen Gebäuden, in weitere Sitzbänke an der renaturierten Dreisam und in ein freies Quartiers-W-Lan stecken. Der Bürgerverein Mittel- und Unterwiehre strebt mit seinem Anteil eigene Räumlichkeiten für den Verein an, in denen aber auch der Bürgerverein Oberwiehre-Waldsee Unterschlupf finden könnte.


Stadtteilleitlinien:

Die Stadtteilleitlinien (Stell) haben ab 2011 die früheren Stadtteilentwicklungspläne (Step) abgelöst. Denn deren Bearbeitung erwies sich als sehr zeitaufwändig. Von sechs geplanten Step wurden ab 2007 nur zwei umgesetzt, auch die Wiehre wartete damals vergeblich. Doch auch beim Nachfolgemodell Stell lief nicht alles stringent: Der Prozess für Wiehre und Oberau dauerte sechs Jahre (siehe Haupttext). Die Erarbeitung für die Innenstadt startete im Februar 2012 – und ist bis heute nicht abgeschlossen. Mit Ergebnissen rechnet die Stadtverwaltung nun 2018. Schneller ging es in St. Georgen (Auftakt: Mai 2011, Übergabe der Ergebnisse ans Rathaus: Januar 2012, Gemeinderatsbeschluss: Juli 2012, Bewilligung Umsetzungsfonds: Juni 2013), in Landwasser (Auftakt: November 2012, Übergabe der Ergebnisse ans Rathaus: Juli 2013, Gemeinderatsbeschluss: Juni 2015, Bewilligung Umsetzungsfonds: Juli 2016) und im Stühlinger (Auftakt: November 2012, Übergabe der Ergebnisse ans Rathaus: März 2014, Gemeinderatsbeschluss: November 2014, Bewilligung Umsetzungsfonds: März 2015). Aus den Umsetzungsfonds wurde in St. Georgen bislang eine Konzeptstudie für den Umbau des Stubenareals erstellt (noch vorhandene Restmittel: 41 000 Euro), in Landwasser ist eine Grillstelle mit Unterstand gebaut worden und es gab landschaftsgärtnerische Arbeiten (Restmittel: 9000 Euro) und im Stühlinger wurden ein Bolzplatz, ein Hörspaziergang und ein Themengarten für Kinder umgesetzt (Restmittel: 45 000 Euro). Weitere Stell sind derzeit laut Stadtverwaltung nicht geplant.

Autor: Felix Andris
Quelle: BZ vom 14.12.17
Text: Jelka Louisa Beule
Foto: Ingo Schneider